· Pressemitteilung für Newssync

Ganz besondere Simulations-Container beim DRK-Ortsverein Herrenberg

Von außen sind es unscheinbare weiße Container, die neben dem Haus des DRK-Ortsvereins Herrenberg am Jahnweg stehen. Aber die vier Container haben es in sich. Denn innen drin befindet sich seit Mitte des Jahres 2024 das Simulations-Zentrum SimCon (die Abkürzung steht für Simulations-Container). Und das ist etwas ganz Besonderes. „Ich kenne in Deutschland keinen anderen DRK-Ortsverein, der ein solches Simulationszentrum hat und darin auch Training für Laien anbietet“, nennt DRK-Ortsvereins-Vorsitzender Edgar Ziegler zwei Alleinstellungsmerkmale.

Er hat sich schon vor rund 20 Jahren ein Simulationszentrum für seinen Ortsverein gewünscht. Vor allem mit Hilfe der Weihnachtsspendenaktion der Tageszeitung Gäubote „Miteinander – Füreinander“ ist es schließlich gelungen, das 150.000 Euro-Projekt in die Realität umzusetzen. Beim Ausbau in den Containern haben die Rotkreuzler seit Ende des Jahres 2023 kräftig angepackt und mit Eigenleistung zum Gelingen des außergewöhnlichen Projekts beigetragen. Entstanden sind mehrere Räume, die wie ein Schlafzimmer, eine Küche und eine Toilette wirken und mit Kameras und Lautsprechern ausgestattet sind. Zudem gibt es einen Regieraum, der nicht nur auf einem Monitor Einblicke in alle Räume bietet, sondern von dem aus auch die unterschiedlichsten Szenarien gesteuert werden können.

Schon in seiner Zeit als Ausbilder habe er sich die Technik für videogestützte Trainings für jedes Ausbildungsniveau und jede ehrenamtliche Tätigkeit gewünscht, erzählt Ziegler. Denn gemeinsam sind die unterschiedlichen Helfenden in der Regel nur im Notfall im Einsatz. „Der Laienhelfer übt immer für sich allein im Lehrsaal an der Puppe, der Helfer vor Ort ebenso. Die Rettungs- und Notfallsanitäter bleiben beim Training ebenso unter sich und die Notärzte und das Klinikpersonal auch. Wir wollen, dass verschiedene Berufsgruppen die Zusammenarbeit und die Kommunikation miteinander üben können.“ Bei der Ersten Hilfe werde von einer Rettungskette gesprochen. „Aber jede Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied.“ 
 
Damit sie Notfallsituationen sicher meistern und die Patienten rasch versorgen können, trainieren die Helfenden die Zusammenarbeit mit realitätsnahen Simulationen, unter Zuhilfenahme von modernen Übungspuppen oder mit Mimen. Im Schnitt zweimal im Monat nutzt der DRK-Ortsverein Herrenberg die SimCon mit seinen Mitgliedern, bietet aber auch jede Menge Kurse für Externe und andere Ortsvereine an, sodass das Simulationszentrum an drei Tagen pro Woche in Betrieb ist, wie SimCon-Leiter Luca Daniels auf Nachfrage mitteilt. „Und das wird alles ehrenamtlich gestemmt.“

Angeboten werden neben der Notfall-Sanitäter-Prüfungsvorbereitung und Notarzt-Kursen unter anderem auch kostenfreie 100 Pro-Kurse für Laien. Da es bei einem Herzstillstand auf die ersten Minuten ankommt, geht es in den einstündigen 100 Pro-Kursen um die richtige Durchführung der Herz-Wiederbelebung - in Kleingruppen von nur bis zu sechs Teilnehmenden unter Zuhilfenahme der Videotechnik.

Der DRK-Ortsverein vermietet das Simulationszentrum aber auch an diejenigen, die eigene Kurse machen möchten. „Wir können auch verschiedene Trainingssituationen aufbauen“, erklärt Luca Daniels. Zudem stehen Puppen und Mimen zur Verfügung, die verletzte Person spielen können.

Und wie läuft so ein Simulationstraining ab? Von kleinen Teams mit maximal zehn Personen sind üblicherweise zwei oder drei gemeinsam im Trainingseinsatz. Die anderen Teilnehmenden können den Einsatz über einen Beamer im Ortsvereins-Haus live mitverfolgen. Den zwei oder drei Trainierenden wird im Vorraum das Szenario erklärt. Nach der sehr realistischen Übung erzählen die beiden in der großen Runde ihre Eindrücke und auch die Zuschauenden berichten darüber, was ihnen aufgefallen ist. Dabei geht es auch darum, wie die Aktiven mit dem Patienten und den vermeintlichen Angehörigen des Patienten umgegangen sind. Vor der Manöverkritik sehen sich die Helfenden ihre Handlungen selbst noch auf dem Video an. „Die Selbsterkenntnis bringt meistens den größten Benefit“, meint Edgar Ziegler, der zugleich verspricht: „Was passiert, bleibt in den Trainings.“ Die Videoaufnahmen würden noch am selben Tag unwiderruflich gelöscht.

Die Organisatoren haben Goldene Regeln für das SimCon aufgestellt. Demnach soll das Simulationstraining allen Teilnehmenden Spaß machen, es soll für die Teilnehmenden lehrreich sein und es werde nicht die Leistung beurteilt. Keine internen Informationen über das Simulationstraining werden nach außen getragen.

Im Simulationszentrum wird nicht nur die Koordination der Handlungsabläufe bei Notfallsituationen unter Zeitdruck geübt. Für zusätzlichen Stress können im SimCon präparierte Rauchmelder, nervige Angehörige oder aggressive Patienten sorgen, die nicht mitmachen. „Wir haben auch schon einmal eine Dorfparty mit 15 Jugendlichen simuliert“, erzählt Luca Daniels. Durch eine andere Tapete wird im Raum aus der Küchenwand eine Straße. „Wir können auch eine Nachtsituation darstellen oder einen Club, in dem es dunkel und laut ist.“ Aus dem Regieraum könne auch dem Mimen übermittelt werden, dass ihm nun schlecht werden soll. „Die Regieanweisungen bekommen die Helfer nicht mit“, sagt Luca Daniels mit einem Schmunzeln. Im SimCon stehen ferner auch Sensoren zur Verfügung, die bewerten, wie gut jemand die Beatmung an einer Puppe durchführt. Auch verpackte Medikamente und EKG stehen für die Übungen zur Verfügung, um die Simulation so realistisch wie möglich zu machen.
Das ist aber noch längst nicht alles. „Wir können die Kameras auch in einen RTW einbauen und die Notfallsanitäter im Rettungswagen üben lassen“, schwärmt Edgar Ziegler. Das Simulationszentrum könne sogar mobil gebucht werden. „Wir können unser Equipment auch in Altenheime oder Arztpraxen mitnehmen.“
Was dem Ortsvereins-Vorsitzenden außerdem an der Technik gefällt: „Wir können in jeder Situation von außen den Druck auf die Helfer erhöhen oder verringern.“ Vom Regieraum aus lässt sich zudem über Lautsprecher in alle Räume der Container sprechen. Zudem lassen sich Rauch und Gerüche oder auch ein Stromausfall simulieren. „Eigentlich ist das fieser als ein Escape Room.“

Da in den Teamtrainings kritische Behandlungssituationen gemeinsam trainiert und aus ihnen für das tägliche Arbeiten gelernt wird, bauen die Teilnehmenden Unsicherheiten ab, die Teamarbeit wird verbessert und der erlebte Stress verringert. Und die Helfenden steigern erheblich ihre Handlungssicherheit, wovon die tatsächlichen Patienten profitieren sollen.

-Lutz Selle-